<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?>
<feed xml:lang="de-at" xmlns="http://www.w3.org/2005/Atom"><title>Die Referentin</title><link href="http://diereferentin.servus.backface.net/" rel="alternate"/><link href="http://diereferentin.servus.backface.net/feed/" rel="self"/><id>http://diereferentin.servus.backface.net/</id><updated>2026-06-22T23:57:20.748949+00:00</updated><entry><title>Das Professionelle Publikum</title><link href="http://diereferentin.servus.backface.net/das-professionelle-publikum-BZJQ/" rel="alternate"/><author><name>red</name></author><id>http://diereferentin.servus.backface.net/das-professionelle-publikum-BZJQ/</id><summary type="html">Urlaub daheim? Mit diesen Veranstaltungstipps von Laurien Bachmann, Clar Gallistl, Tamara Imlinger, Sara
&lt;p&gt;Urlaub daheim? Mit diesen Veranstaltungstipps von Laurien Bachmann, Clar Gallistl, Tamara Imlinger, Sara Koniarek, Matthias Kreitner, Leonie Reese, Klaus Reznicek und Lisa Spalt wird Euch in der Sommerzeit bestimmt nicht langweilig!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;img src="../../../../media/_versions/die_referentin44_uebersicht_big.jpg" alt="&amp;Uuml;bersicht" width="1044" height="392"&gt;&lt;/p&gt;</summary></entry><entry><title>Protest gegen Kürzungen bei Bildung</title><link href="http://diereferentin.servus.backface.net/protest-gegen-kurzungen-bei-bildung/" rel="alternate"/><author><name>red</name></author><id>http://diereferentin.servus.backface.net/protest-gegen-kurzungen-bei-bildung/</id><summary type="html">Zuerst protestierten mehr als 20.000 Menschen in Wien gegen die kolportierten finanziellen Kürzungen
&lt;p&gt;&lt;img src="../../../../media/_versions/uni_ausschnitt_big.jpg" alt="Protest" width="776" height="416"&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: 10pt;"&gt;Zuerst protestierten mehr als 20.000 Menschen in Wien gegen die kolportierten finanziellen K&amp;uuml;rzungen auf Kosten der Universit&amp;auml;ten. Einen Tag sp&amp;auml;ter, am 28. Mai demonstrierten rund 1400 Menschen auf dem Linzer Hauptplatz gegen K&amp;uuml;rzungen bei Bildung und Sparen an der Zukunft.&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;</summary></entry><entry><title>„Vivir la Utopia!“ –  Die Utopie leben</title><link href="http://diereferentin.servus.backface.net/vivir-la-utopia-die-utopie-leben/" rel="alternate"/><author><name>Hanna Mittelstädt</name></author><id>http://diereferentin.servus.backface.net/vivir-la-utopia-die-utopie-leben/</id><summary type="html">Die Referentin bringt seit längerer Zeit eine Reihe über den Anarchismus als erste soziale Bewegung
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Die Referentin bringt seit l&amp;auml;ngerer Zeit eine Reihe &amp;uuml;ber den Anarchismus als erste soziale Bewegung und Ausdruck vergangener wie aktueller k&amp;auml;mpferischer emanzipatorischer Entwicklungen. Dieses Mal schreibt&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Hanna Mittelst&amp;auml;dt &amp;uuml;ber 90 Jahre soziale Revolution in Spanien.&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;&lt;img src="../../../../../media/_versions/milizionaer_innen-gigapixel_big.jpg" alt="Revolution in Spanien." width="685" height="436"&gt;&lt;br&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;span style="font-size: 10pt;"&gt;Revolution in Spanien. &amp;copy; &lt;strong&gt;CC&lt;/strong&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Juli 1936 kam es zeitgleich mit dem Kampf gegen den faschistischen Franco-Putsch in weiten Teilen Spaniens zu einer sozialen Revolution. Sie war eines der gr&amp;ouml;&amp;szlig;ten Beispiele f&amp;uuml;r die Realisierbarkeit einer autonomen gesellschaftlichen Organisation, wom&amp;ouml;glich das bis heute gr&amp;ouml;&amp;szlig;te anarchistische Experiment, in dem beispielsweise Katalonien, die Region Barcelona und der Landesteil Aragon nahezu komplett unter Selbstverwaltung standen. Die soziale Revolution in der ersten Phase des Spanischen B&amp;uuml;rgerkrieges geh&amp;ouml;rt zu den umfangreichsten gesellschaftlichen Umw&amp;auml;lzungen des 20. Jahrhunderts.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Ein neues Leben durch neue Vorgehensweisen&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&amp;bdquo;Der Staat ist ein Verh&amp;auml;ltnis, ist eine Beziehung zwischen den Menschen, eine Art, wie Menschen sich zueinander verhalten; und man zerst&amp;ouml;rt ihn, indem man andere Beziehungen eingeht, indem man sich anders zueinander verh&amp;auml;lt&amp;ldquo; (Gustav Landauer). In dieser Hinsicht sind die Beteiligten der Spanischen Revolution 1936-37 in Katalonien und Aragon weit gekommen, in der Zerst&amp;ouml;rung des Staates durch den Aufbau anderer Beziehungen. Es gab Selbstorganisation auf allen Ebenen der Gesellschaft, in den Milizen, in Affinit&amp;auml;tsgruppen, Nachbarschaften, am Arbeitsplatz. Der Putsch der Milit&amp;auml;rs konnte hier anfangs fast komplett zur&amp;uuml;ckgeschlagen werden, die selbstorganisierten Milizen waren geschickt, entschieden, einsatz- und improvisierfreudig. Sie hatten langj&amp;auml;hrige Kampferfahrungen und waren mehrheitlich in den anarchistischen Organisationen CNT und FAI organisiert.&lt;br&gt;Was der Putsch unter Francos F&amp;uuml;hrung verhindern wollte, n&amp;auml;mlich eine revolution&amp;auml;re Situation, in der der Staat mit seinen Machtorganen in Frage gestellt wird, wurde in den ersten Monaten im Gegenteil beschleunigt. Die autonome Selbstorganisation weitete sich von der bewaffneten Verteidigung gegen den Angriff auf die errichtete Republik in alle Bereiche der Gesellschaft aus. Sie schuf zahllose Komitees auf politischer, sozialer, &amp;ouml;konomischer, mi&amp;shy;li&amp;shy;t&amp;auml;&amp;shy;rischer Ebene, die sich r&amp;auml;tem&amp;auml;&amp;szlig;ig ver&amp;shy;netz&amp;shy;ten und die Staatsmacht tats&amp;auml;chlich au&amp;szlig;er Kraft setzten.&lt;br&gt;Vom Juli bis Oktober 1936 herrschte eine Phase der &amp;bdquo;Freiheit&amp;ldquo;, der direkten Demokratie. Durch direkte Aktionen wurden spontane Kollektivierungen umgesetzt: in den Bereichen Transportmittel, &amp;ouml;ffentliche Dienste, Industrie, Handel, Landwirtschaft. Die Wahl der Betriebskomitees erfolgte durch Vollversammlungen. Die Milizen funktionierten ohne milit&amp;auml;rische Hierarchie. An der Abschaffung des Geldes wurde experimentiert, das Privateigentum an Produktionsmitteln weitgehend durch kollektive Verf&amp;uuml;gung ersetzt. Der Kampf gegen den &amp;bdquo;Geist der Ware&amp;ldquo; wurde selbstverst&amp;auml;ndlich nicht einfach so gewonnen, aber er wurde aufgenommen. Ca. 150 neue Schulen wurden eingerichtet, ihre Inhalte umgekrempelt, an einem ver&amp;auml;nderten Rechts&amp;shy;system wurde gearbeitet.&lt;br&gt;Das umfassende neue Konzept war eine freie, dezentralisierte, demokratische Gesellschaft in Form einer F&amp;ouml;deration von Gemeinden und Regionen. Diese F&amp;ouml;deration verstand sich international und antinational. Auch klassen&amp;uuml;bergreifend: migrantische und &amp;ouml;rtliche Arbeiter*innen, Angestellte, Handwerker, kleine Kaufleute, Bauern, Intellektuelle geh&amp;ouml;rten selbstverst&amp;auml;ndlich den verschiedenen Kollektiven an. Frauen und Jugendliche standen unter dem besonderen Joch der klerikalen und reaktion&amp;auml;r-autorit&amp;auml;ren Ordnung. Ihr Auftauchen in den Milizen und Komitees war sensationell, ebenso die Bildung der &amp;bdquo;Mujeres Libres&amp;ldquo; (Freie Frauen), die in der ersten Nummer ihrer gleichnamigen Zeitschrift im Mai 1936 hellsichtig und klar verk&amp;uuml;ndeten: &amp;bdquo;Uns widert die Politik an, weil sie die menschlichen Probleme nicht versteht, sondern nur Sekten- und Klasseninteressen. Sie ist der permanente Brutkasten f&amp;uuml;r Kriege. Die Politik tr&amp;auml;gt immer, wirklich immer, den Keim des Imperialismus in sich. In der Politik gibt es keinen Fortschritt. (...) Die Mujeres Libres suchen den grenzenlosen Fortschritt in der direkten und freien Aktion der Massen und der Individuen. Das neue Leben muss durch neue Vorgehensweisen aufgebaut werden.&amp;ldquo;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Organisation von Wirtschaft und Gesellschaft musste umfassend neu erfunden werden. Die anarchistische Gewerkschaft CNT hatte jahrzehntelang wilde Streiks, Enteignungen von Banken, bewaffnete Aus&amp;shy;einandersetzungen mit Polizei und Armee unterst&amp;uuml;tzt. Im Juni 1936 hatte sie mehr als 1 Millionen Mitglieder, 1938 sogar &amp;uuml;ber 2 &amp;frac12; Millionen. Sie organisierte Kulturzentren, hatte eine vielgelesene Presse. In Katalonien war sie bei Ausbruch der Revolution die wichtigste Kraft in Wirtschaft und Kriegsf&amp;uuml;hrung.&lt;br&gt;Aber schon am 24. Oktober 1936 begann mit dem &amp;bdquo;Dekret &amp;uuml;ber die Kollektivierungen&amp;ldquo; der Versuch, staatliche Kontrolle &amp;uuml;ber die autonomen Strukturen zu etablieren. Etliche einflussreiche Mitglieder der anarchistischen Organisationen hatten sich an der aus den verschiedenen anti-faschistischen Parteien gebildeten Regierung beteiligt und daran mitgearbeitet, die neu geschaffenen politischen Institutionen in einen b&amp;uuml;rokratischen Teil der Macht umzuwandeln, eine umfassende Kontrollinstanz &amp;uuml;ber die revolution&amp;auml;ren Initiativen zu etablieren, das hei&amp;szlig;t, einen neuen Staat mit Ausbeutung und Unterdr&amp;uuml;ckung.&lt;br&gt;Was passiert in einer revolution&amp;auml;ren Situation, und wie wird sie beendet? Besteht die Revolution darin, die vorhandene gesellschaftliche Hierarchie zu st&amp;uuml;rzen, um sie durch eine andere zu ersetzen, die f&amp;uuml;r gerechter gehalten wird? Warum konnten auch in der Spanischen Revolution die han&amp;shy;delnden Menschen es ab einem bestimmten Punkt nicht mehr verhindern, dass die Gestaltung ihres Lebens an den Staat zur&amp;uuml;ckfiel?&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Mit der Einheitsfront in die Niederlage&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Im Folgenden sind drei schwerwiegende Aspekte f&amp;uuml;r das Scheitern der Sozialen Revolution skizziert:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;
&lt;li&gt;Die Parole &amp;bdquo;Zuerst der Krieg, dann die Revolution&amp;ldquo; bedeutete die Errichtung einer Kriegswirtschaft, die Liquidierung der Selbstverwaltung in Industrie und Landwirtschaft zugunsten einer vermeintlichen Effektivit&amp;auml;t unter einheitlichem Kommando. Es bedeutete die Unterdr&amp;uuml;ckung jeder Autonomie (von Betrieben, Stadtvierteln, Regionen etc.) zugunsten von Kriegszwecken, die von der zentralisierten Macht definiert wurden. Die Arbeitenden sollten in den Fabriken wieder Ausf&amp;uuml;hrende der staatlichen Beschl&amp;uuml;sse sein. Statt um die Revolution ging es der regierenden Parteien-Koalition um die Verteidigung der Republik und damit um den Erhalt oder das Erringen der Macht im Staatsapparat. Die vielbeschworene &amp;bdquo;antifaschistische Einheit&amp;ldquo; gegen die Putschisten unter Franco, die von der faschistischen Regierung Italiens und der des nationalsozialistischen Deutschlands unterst&amp;uuml;tzt wurden, war auch ein Vorwand, um die soziale Revolution zu ersticken.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;Die Aufl&amp;ouml;sung der Milizen zugunsten einer regul&amp;auml;ren Armee bedeutete die Entwaffnung der revolution&amp;auml;ren Kerne, die Zerst&amp;ouml;rung relativ autonom k&amp;auml;mpfender Einheiten zugunsten eines einheitlichen Kommandos mit rigider Hierarchie und Disziplin.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;Die Hilfe der UdSSR (unter Stalin) infiltrierte die spanische Revolution und erw&amp;uuml;rgte sie durch ihre rigiden, skrupellosen politischen Winkelz&amp;uuml;ge: durch &amp;Uuml;ber&amp;shy;nahme staatlicher Organe, die Aktivit&amp;auml;ten der Geheimpolizei, die Praxis standrechtlicher Erschie&amp;szlig;ungen, Verschwin&amp;shy;den-lassen, Hinrichtungen von Abweichlern und Gegnern. Die ber&amp;uuml;hmten sowjetischen Waffenlieferungen waren keine Hilfestellung f&amp;uuml;r eine revolution&amp;auml;re Bewegung, sondern wurden durch die Goldreserven der Spanischen Bank teuer bezahlt und waren Teil der Durchsetzungsstrategie sowjetischer Gro&amp;szlig;machtinteressen.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;Auch die Spanische Revolution wurde durch Machtinteressen liquidiert. Sie wurde nicht nur von den vereinten faschistischen Kr&amp;auml;ften zermalmt. Die Enteignung der Revolution setzte durch die Etablierung neuer Staatsorgane schon 1937 ein. Der Spanische B&amp;uuml;rgerkrieg, der noch bis 1939 weiterging, wurde durch den Sieg der Faschisten beendet, aber da ging es nicht mehr um eine Revolution, sondern um den Krieg konkurrierender Staatskonzepte.&lt;br&gt;Wie l&amp;auml;sst sich aber die Haltung der Massen, insbesondere der anarchistischen Massen Kataloniens, gegen&amp;uuml;ber ihren F&amp;uuml;hrern erkl&amp;auml;ren? Warum kritisierten die revolution&amp;auml;ren CNT-FAI-Mitglieder nicht radikaler ihre anarchistischen &amp;bdquo;Genossen und die Genossin Minister&amp;ldquo; und sonstige neue staatliche Funktionstr&amp;auml;ger, nachdem diese sie so schm&amp;auml;hlich dazu aufgerufen hatten, ihren eigenen Kampf aufzugeben und sich in eine autorit&amp;auml;re Einheitsfront einzureihen? Diese Treue gegen&amp;uuml;ber der Organisation erkl&amp;auml;rt sich sicher auch durch die tiefe Verbundenheit der Mitglieder mit ihren anarchistischen Strukturen, besonders in den langen Zeiten von Illegalit&amp;auml;t und Verfolgung. Wie ein wirkm&amp;auml;chtiger Mythos hatte die CNT-FAI die K&amp;auml;mpfenden besch&amp;uuml;tzt, bis ihr Eintritt in die Machtpolitik deutlich machte, dass auch sie, als ein Organ der Macht, nicht vor dem Verlangen nach Autorit&amp;auml;t, Kontrolle, Disziplin, Armee, Vaterland, Produktivit&amp;auml;t, Ordnung, Personenkult und Opfermythos gefeit war.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Staat als kollektive Fiktion&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Die Erinnerung an die Spanische Revolution stellt uns auch heute die Frage, ob wir die Held*innen- und F&amp;uuml;hrer*innenmythologien hinter uns lassen k&amp;ouml;nnen, ob wir den Glauben &amp;ndash; der durch so viele Erfahrungen widerlegt wurde &amp;ndash; an eine &amp;bdquo;gute&amp;ldquo; Autorit&amp;auml;t ablegen k&amp;ouml;nnen, der wir die eigene Macht &amp;uuml;bertragen. K&amp;ouml;nnen wir wirklich verstehen, dass der Staat, dieser &amp;bdquo;gro&amp;szlig;e Fetisch&amp;ldquo;, wie Bourdieu 1990 schrieb, eine Illusion ist, &amp;bdquo;dieser Ort, der wesentlich deshalb existiert, weil man glaubt, er existiere&amp;ldquo;? Die staatlichen Institutionen bestehen, gem&amp;auml;&amp;szlig; Bourdieu, aus dem &amp;bdquo;organisierten und automatisierten Glauben an die kollektive Fiktion&amp;ldquo;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gemeinschaften, Kollektive und Einrichtungen, die sich der Schaffung von Gemeinwohl und Gemeing&amp;uuml;tern widmen, befinden sich, damals wie heute, in einem permanenten Prozess der Erfindung, Improvisation und &amp;Uuml;berpr&amp;uuml;fung, wobei sie Horizontalit&amp;auml;t und eine breite soziale Zusammensetzung als Grundlage haben. Die Versuche, genossenschaftliche Praktiken und Erfahrungen der R&amp;auml;tedemokratie der Vergangenheit wiederzubeleben, sind Teil dieser Dynamik. Eine echte antistaatliche gesellschaftliche Alternative zu werden, bedeutet, dass der Widerstand gegen das Bestehende und die (Neu-)Schaffung kommunit&amp;auml;rer Lebensformen untrennbar miteinan&amp;shy;der verbunden sind. Das ist der zentrale Ausgangspunkt daf&amp;uuml;r, die Utopie zu leben.&amp;nbsp; &amp;nbsp;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;em&gt;Literatur:&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;Vera Bianchi (Hg), &amp;bdquo;Mujeres Libres. Libert&amp;auml;re K&amp;auml;mpferinnen&amp;ldquo;, Edition AV 2019&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;Pierre Bourdieu, &amp;bdquo;&amp;Uuml;ber den Staat&amp;ldquo;, Suhrkamp Verlag 2014&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;Gustav Landauer, &amp;bdquo;Schwache Staatsm&amp;auml;nner, schw&amp;auml;cheres Volk!&amp;ldquo; (Juni 1910)&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;Carlos Sempr&amp;uacute;n-Maura, &amp;bdquo;Revolution und Konter&amp;shy;revolution in Katalonien&amp;ldquo;, Edition AV 2024&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Die Anarchismus-Textserie ist auf Anregung von Andreas Gautsch, bzw. der Gruppe Anarchismusforschung entstanden und wird durch sie vermittelt. &amp;nbsp;&lt;br&gt;Siehe auch: &lt;a href="https://anarchismusforschung.org" target="_blank" rel="noopener"&gt;anarchismusforschung.org&lt;/a&gt;.&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;</summary></entry><entry><title>Ein Brief auf der Bühne</title><link href="http://diereferentin.servus.backface.net/ein-brief-auf-der-buhne/" rel="alternate"/><author><name>Silvana Steinbacher</name></author><id>http://diereferentin.servus.backface.net/ein-brief-auf-der-buhne/</id><summary type="html">Wie bringt man eine Briefnovelle auf die Bühne? Die Tribüne Linz hat Corinna Antelmanns Text Alle
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Wie bringt man eine Briefnovelle auf die B&amp;uuml;hne? Die Trib&amp;uuml;ne Linz hat Corinna Antelmanns Text &lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;Alle Zeit, gestundet &amp;ndash; Ein Brief an Ingeborg Bachmann&lt;/strong&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt; anl&amp;auml;sslich des 100-j&amp;auml;hrigen Geburtstages der ber&amp;uuml;hmten Schriftstellerin dramatisiert. Silvana Steinbacher &amp;uuml;ber die in Ottensheim lebenden Autorin Corinna Antelmann, der die Briefnovelle als literarische Form liegt.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;&lt;img src="../../../../../media/_versions/alle_zeit_foto_die_referentin_medium.jpg" alt="Aushang der Trib&amp;uuml;ne" width="685" height="925"&gt;&lt;br&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;span style="font-size: 10pt;"&gt;Im Aushang der Trib&amp;uuml;ne. Foto&lt;strong&gt; Die Referentin&lt;/strong&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die 90-j&amp;auml;hrige Literaturprofessorin Anette sp&amp;uuml;rt, dass sie nur noch kurz zu leben hat. Sie reist zu Ingeborg Bachmanns Grab nach Klagenfurt und hofft, dass ihr noch gen&amp;uuml;gend Zeit bleibt, um ihren Brief an die ber&amp;uuml;hmte Autorin beenden zu k&amp;ouml;nnen. Dieser Brief ist gleichsam ein Res&amp;uuml;mee, in dem sich Anette mit Leben und Werk der Bachmann auseinandersetzt, aber ebenso mit Themen, die viele Frauen kennen: dem Bed&amp;uuml;rfnis nach Autonomie, dem Schmerz &amp;uuml;ber das Zerbrechen von Beziehungen, den Mechanismen, denen Frauen zu unterliegen scheinen, dem &amp;bdquo;Altern in W&amp;uuml;rde&amp;ldquo;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Corinna Antelmanns Novelle &lt;em&gt;Alle Zeit, gestundet &amp;ndash; ein Brief an Ingeborg Bachmann&lt;/em&gt; ist bereits ihre dritte Briefnovelle. Die Form des Monologs kommt ihr, literarisch gesehen, entgegen, sagt die Autorin, und so wie bei Franz Kafka als auch bei Anna Freud, die Thema der ersten beiden Briefnovellen sind, bleibt auch ihr j&amp;uuml;ngster &amp;bdquo;Brief&amp;ldquo; an Bachmann nat&amp;uuml;rlich ohne Antwort.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Briefromane sind in der Literatur eine beliebte Gattung, wenn wir an Johann Wolfgang von Goethes &lt;em&gt;Die Leiden des jungen Werthers,&lt;/em&gt; Wolfgang Bauers &lt;em&gt;Der Fieberkopf &lt;/em&gt;oder Alice Walkers &lt;em&gt;Die Farbe Lila&lt;/em&gt; denken, um nur einige zu nennen. Bevor mir Corinna Antelmann noch mehr &amp;uuml;ber ihr Leben und ihre Literatur erz&amp;auml;hlen wird, zuerst einmal zum St&amp;uuml;ck:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Cornelia Metschitzer, die Leiterin der Trib&amp;uuml;ne Linz &amp;ndash; Theater am S&amp;uuml;dbahnhofmarkt hat als Regisseurin schon in mehreren St&amp;uuml;cken reale Frauen in den Mittelpunkt ger&amp;uuml;ckt: die Journalistin und Schriftstellerin Milena Jesensk&amp;aacute;, die zu Unrecht fast ausschlie&amp;szlig;lich als Freundin von Franz Kafka im Ged&amp;auml;chtnis geblieben ist, Alma Mahler-Werfel und Romy Schneider. Und jetzt, zu ihrem 100. Geburtstag, Ingeborg Bachmann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Metschitzer l&amp;auml;sst Anettes Kinder Jon und Bettine in einer Rahmenhandlung nach Anettes Tod ins Haus der Mutter zur&amp;uuml;ckkehren. Dort packen sie Anettes Koffer und Tasche aus und finden den Brief der Mutter an Ingeborg Bachmann. Durch die im Brief geschilderte Lebensgeschichte der Mutter und ihre intensive Auseinandersetzung mit Literatur, insbesondere eben mit Bachmann, lernen sie unbekannte Facetten ihrer Mutter kennen. Dadurch n&amp;auml;hern sich Anettes Kinder mehr ihrer gemeinsamen Familiengeschichte an. Eine Schauspielerin und ein Schauspieler agieren fast ausschlie&amp;szlig;lich mimisch und gestisch, und der Brief kommt fast nur aus dem Off. Mir h&amp;auml;tte eine schlichte Lesung des eindrucksvollen Textes von Corinna Antelmann gen&amp;uuml;gt, aber das muss jeder f&amp;uuml;r sich entscheiden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Corinna Antelmann hat, und damit bildet sie keine Ausnahme, Bachmann erstmals mit circa 20 Jahren gelesen. Und da ich nicht voraussetzen will, dass alle Leser:innen &amp;ndash; so wie Antelmanns Figur Anette &amp;ndash; jedes Detail kennen, hier die wichtigsten Eckpunkte des Lebens von Bachmann, die als eine der bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikerinnen und Prosaschriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts gilt. Sie war eine zentrale Figur der &lt;em&gt;Gruppe 47, &lt;/em&gt;einer einflussreichen, aber auch chauvinistischen literarischen Vereinigung der Nachkriegszeit. Bachmanns Auftritt, bei dem sie 1952 ihr Gedicht &lt;em&gt;Die gestundete Zeit &lt;/em&gt;las, brachte ihr dennoch den renommierten Preis der &lt;em&gt;Gruppe 47&lt;/em&gt; ein und begr&amp;uuml;ndete ihren schnellen literarischen Erfolg. 1954 wurde ihr eine Titelgeschichte im Wochenmagazin &lt;em&gt;Der Spiegel &lt;/em&gt;gewidmet. 1973 erlitt Bachmann schwe&amp;shy;re Verletzungen durch einen Brand, den sie beim Einschlafen mit einer Zigarette verursacht hatte, an dessen Folgen sie im Krankenhaus starb. Sie hinterl&amp;auml;sst ein umfangreiches Prosa- und Lyrikwerk. Die Charakteristik ihres Werkes zusammenzufassen ist schwierig. Zu ihren Lebzeiten waren es haupts&amp;auml;chlich ihre Gedichte, die f&amp;uuml;r eine neue &amp;Auml;ra der deutschen Lyrik standen. Ihr facettenreiches Werk lie&amp;szlig; sie zu einer Ikone der Literatur der Nachkriegszeit werden. Der Verlust der Realit&amp;auml;t und Entfremdung sind auch in ihren Prosawerken zu finden. Der renommierte Ingeborg-Bachmann-Preis in ihrem Geburtsort Klagenfurt wird seit 1977 verliehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&amp;uuml;r Corinna Antelmann war Bachmanns 100. Geburtstag in diesem Jahr lediglich ein guter Ansto&amp;szlig;, die Autorin als Thema zu w&amp;auml;hlen, aber keineswegs die alleinige Intention, denn in Bachmanns Roman &lt;em&gt;Malina&lt;/em&gt; gab es einige Themen, so erz&amp;auml;hlt mir Corinna Antelmann, mit denen sie sich identifizieren, bei denen sie andocken konnte. Das Gef&amp;uuml;hl, zu verschwinden, keinen rechten Platz zu finden, die Frage, ob Frauen in dem Ma&amp;szlig;e geh&amp;ouml;rt werden, wie sie es anstreben und es ihnen geb&amp;uuml;hrte, trete f&amp;uuml;r sie bei &lt;em&gt;Malina&lt;/em&gt; hervor, der Roman habe auf sie bereits als Studentin eine bahnbrechende Wirkung gehabt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wer ist Corinna Antelmann und was macht die in Bremen geborene und heute in Ottensheim lebende Autorin? Antelmann studierte Literatur, der stets ihre Liebe galt, wechselte dann zu Film, sie sei naiv gewesen, so erz&amp;auml;hlt sie, wollte sofort einen Spielfilm realisieren, ohne zu bedenken, dass bei einem Projekt dieser Gr&amp;ouml;&amp;szlig;enordnung viele Menschen mitsprechen. Von Hamburg zog sie vor 20 Jahren nach Ober&amp;ouml;sterreich und arbeitet heute als Autorin, auch Jugendbuchautorin, Dramaturgin, Lehrende und Vermittlerin in der Gedenkst&amp;auml;tte Hartheim. Hier kann sie auch ihre umfangreichen Filmkenntnisse gut anwenden, denn zur Zeit unseres Gespr&amp;auml;chs plant sie gerade ein Filmprojekt mit Jugendlichen. Diese sollen ihre Eindr&amp;uuml;cke zum Gedenkort, zur sogenannten Optimierung des Menschen umsetzen. Au&amp;szlig;erdem lehrt oder lehrte sie in Hagenberg und Salzburg.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vor kurzem ist die Anthologie &lt;em&gt;Wannst net fort mua&amp;szlig;t, so bleib?&lt;/em&gt; erschienen. Im Buch mit dem etwas bodenst&amp;auml;ndigen Titel lassen 32 Autorinnen ihre verschrifteten Gedanken um Heimat, Identit&amp;auml;t, Sehnsucht nach der Ferne und &amp;auml;hnliche Themen kreisen. Corinna Antelmann entschied sich in ihrer Kurzgeschichte f&amp;uuml;r einen autobiografischen Text, denn das weitgesteckte Thema bot ihr eine willkommene M&amp;ouml;glichkeit, nach 20 Jahren in Ober&amp;ouml;sterreich eine Art Bilanz zu ziehen. In ihrer Kurzgeschichte reflektiert sie &amp;uuml;ber Zugeh&amp;ouml;rigkeit und das Gef&amp;uuml;hl des Andersseins. In Ottensheim f&amp;uuml;hle sie sich beheimatet. In &amp;Ouml;sterreich insgesamt jedoch oftmals in Grenzen, f&amp;uuml;gt sie nach einer kurzen Pause hinzu, denn die hier selbstverst&amp;auml;ndlichen Codes beherrsche sie nicht, und schon allein durch ihre norddeutsche Aussprache f&amp;uuml;hle sie sich immer auch ein bisschen &amp;bdquo;drau&amp;szlig;en.&amp;ldquo; Das ist manchmal anstrengend, erz&amp;auml;hlt sie und setzt fort: Ich denke oft, ich m&amp;uuml;sse mich als besonders anpassung- und leistungsf&amp;auml;hig zeigen, um nicht mehr &amp;bdquo;drau&amp;szlig;en&amp;ldquo; zu sein &amp;ndash; eine Haltung, die ich vielleicht auch von den Eltern &amp;uuml;bernommen habe, die ihre Heimat verlassen, fliehen mussten. Und damit schlie&amp;szlig;t sich der Kreis, denn auch Bachmanns Werk setzt sich intensiv mit Zugeh&amp;ouml;rigkeit, mit Heimat und mit Entfremdung auseinander, und das bei Bachmann oft auch im Zusammenhang mit einer pers&amp;ouml;nlichen Entfremdung. &amp;ndash; &amp;bdquo;Sieh dich nicht um. / Schn&amp;uuml;r deinen Schuh. / Jag die Hunde zur&amp;uuml;ck. / Wirf die Fische ins Meer. / L&amp;ouml;sch die Lupinen! // Es kommen h&amp;auml;rtere Tage.&amp;ldquo; (aus Bachmanns &amp;bdquo;Die gestundete Zeit&amp;ldquo;)&amp;nbsp; &amp;nbsp;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Trib&amp;uuml;ne Linz &amp;ndash; Theater am S&amp;uuml;dbahnhofmarkt&lt;/em&gt;&lt;br&gt;Alle Zeit, gestundet &amp;ndash; Ein Brief an Ingeborg Bachmann&lt;br&gt;&lt;em&gt;Von Corinna Antelmann&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;Noch am 03. 06. und 25. 06. (100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann)&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Corinna Antelmann, Werkauswahl:&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;&amp;bull; &amp;nbsp; &amp;nbsp;&lt;/em&gt;Spargel in Afrika. &lt;em&gt;Erz&amp;auml;hlung, Monika Fuchs&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;em&gt;Verlag 2020&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;&amp;bull; &amp;nbsp; &amp;nbsp;&lt;/em&gt;Im Geiste, Anna. &lt;em&gt;Briefnovelle, Kollektiv Verlag 2022&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;&amp;bull; &amp;nbsp; &amp;nbsp;&lt;/em&gt;Die Farbe der Sprachlosigkeit.&lt;em&gt; Roman,&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;em&gt;Monika Fuchs Verlag 2023&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;&amp;bull; &amp;nbsp; &amp;nbsp;&lt;/em&gt;Alle Zeit, gestundet &amp;ndash; Ein Brief an Ingeborg Bachmann,&lt;em&gt; Kollektiv Verlag 2026&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Bestellungen &amp;uuml;ber die Webseite der Autorin.&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;a href="https://corinna-antelmann.com" target="_blank" rel="noopener"&gt;&lt;em&gt;corinna-antelmann.com&lt;/em&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;</summary></entry><entry><title>Das Wir in Balance</title><link href="http://diereferentin.servus.backface.net/das-wir-in-balance/" rel="alternate"/><author><name>Georg Wilbertz</name></author><id>http://diereferentin.servus.backface.net/das-wir-in-balance/</id><summary type="html">Bevor man den KunstRaum Goethestrasse xtd in der Goethestraße 30 betritt, entert man deren Homepage
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Bevor man den KunstRaum Goethestrasse xtd in der Goethestra&amp;szlig;e 30 betritt, entert man deren Homepage kunstraum.at. Man m&amp;ouml;chte ja vor dem Gespr&amp;auml;chstermin mit Susanne Blaimschein und Beate Rathmayr, die f&amp;uuml;r die Arbeit des Kunstraums verantwortlich zeigen, informiert und vorbereitet sein &amp;ndash; meint Georg Wilbertz.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;&lt;img src="../../../../media/_versions/1_kreislauf_systeme_fotonachweis_otto_saxinger_big.jpg" alt="Kreislauf-Systeme" width="617" height="624"&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;div&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;&lt;img src="../../../../media/_versions/2_kreislauf_systeme_fotoottosaxinger_big.jpg" alt="Kreislauf-Systeme" width="617" height="412"&gt;&lt;br&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span style="font-size: 10pt;"&gt;Kreislauf-Systeme,&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span style="font-size: 10pt;"&gt;2020, K&amp;uuml;nstlerische Gestaltung in den R&amp;auml;umen der Wienerstra&amp;szlig;e 317. &amp;copy;&lt;em&gt;&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;Otto Saxinger&lt;/strong&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Online-Vorrecherche startet mit einem Blick auf den Veranstaltungskalender f&amp;uuml;r Mai. Der &amp;uuml;berrascht mit zweierlei: eine wohlgeordnete, im Kunstbetrieb nicht immer anzutreffende &amp;Uuml;bersichtlichkeit (die Angebotskategorien sind verschiedenfarbig unterlegt!) und eine erstaunliche programmatische Vielfalt. Das Angebot reicht von der &amp;bdquo;Kunstraumrunde&amp;ldquo; &amp;uuml;ber die &amp;bdquo;Neigungsgruppe Karaoke&amp;ldquo; und der &amp;bdquo;Schreibzeit on Tour&amp;ldquo; bis hin zu einer 5-Tages-Exkursion nach Venedig, wo &amp;ndash; anlassbezogen &amp;ndash; &amp;bdquo;Wir suchen die Kunst&amp;ldquo; auf dem Programm steht. Dazwischen gibt es Veranstaltungen zur laufenden Ausstellung und sehr praktische Angebote (&amp;bdquo;Haute Couture Flicken&amp;ldquo; oder den Workshop &amp;bdquo;Holzschnitzen &amp;ndash; Basics, Schale, Relief&amp;ldquo;). Eher r&amp;auml;tselhaft erscheinen das &amp;bdquo;Katzenkino&amp;ldquo; der Kunstraumkatzen (Eingeweihte wissen mehr) oder die Veranstaltung &amp;bdquo;Zeichnen. Ein Jahr und l&amp;auml;nger&amp;ldquo;, f&amp;uuml;r die allerdings (zumindest im Mai) nur ein Dienstagnachmittag vorgesehen ist.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das f&amp;uuml;r einen Kunstraum erstaunlich heterogene Angebot sollte als Versuch gelesen werden, Handwerk, Praxis und Theorie beziehungsweise Kunst, Diskurs und Alltag in lebenswirkliche und vor allem lebenstaugliche Beziehungen zu setzen. Sieht man es so, wird die Offenheit des KunstRaum Goethestrasse xtd in alle Richtungen unmittelbar deutlich. Diese bezieht sich nicht nur auf die Inhalte, sondern schlie&amp;szlig;t einen m&amp;ouml;glichst weit gefassten Adressat:innen-Kreis ein. Er reicht von der Nachbarschaft des Quartiers &amp;uuml;ber die Stadt Linz bis hin zu Kooperationen in Ober&amp;ouml;sterreich. Und er schlie&amp;szlig;t ausdr&amp;uuml;cklich Menschen mit &amp;bdquo;besonderem psychosozialen Unterst&amp;uuml;tzungsbedarf&amp;ldquo; ein. Womit wir bei einem sehr wichtigen Punkt des Selbstverst&amp;auml;ndnisses w&amp;auml;ren. Im Gegensatz zu vielen anderen Kunstvereinen, Artspaces und sonstigen kulturlastigen Orten in Linz wirkt der KunstRaum Goethestrasse xtd wenig elit&amp;auml;r. Die ber&amp;uuml;hmt-ber&amp;uuml;chtigte Schwellenangst soll f&amp;uuml;r die Interessent:innen gar nicht erst aufkommen. Der Zugang zur Kunst, zum k&amp;uuml;nstlerischen Tun und den begleitenden Angeboten, die damit in mehr oder weniger enger Verbindung stehen, gestaltet sich m&amp;ouml;glichst niederschwellig. Auf &amp;auml;sthetische Qualit&amp;auml;t wird dabei ausdr&amp;uuml;cklich NICHT verzichtet. Ein weiterer methodischer Grundsatz verringert die H&amp;ouml;he der Schwelle ma&amp;szlig;geblich: Die Projekte, Veranstaltungen und Aktionen des Kunstraums starten immer aus dem Wir der versammelten Interessent:innen heraus. Vom gruppenbasierten Startpunkt aus gehen die Teilnehmer:innen dann individuell ihre projektbezogenen Wege. All dies steht jeder und jedem offen, selbstverst&amp;auml;ndliche Inklusion at its best.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&amp;Uuml;ben&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Bedenkt man die Verschr&amp;auml;nkung von Praxis, Handwerk, Kunst und Theorie sowie die individuellen Interessen der Nutzer:innen, verwundert es nicht, dass das Jahr 2026 im Kunstraum Goethestra&amp;szlig;e unter dem &amp;ndash; allgemeinen, vielleicht naiv anmutenden &amp;ndash; Thema &amp;bdquo;&amp;uuml;ben&amp;ldquo; steht.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&amp;bdquo;Wir k&amp;ouml;nnen gar nicht anders,&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;em&gt;als uns &amp;uuml;bend zu verhalten und&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;em&gt;auf diese Weise auf uns selbst&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;em&gt;ein&amp;shy;zuwirken und uns h&amp;ouml;her zu&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;em&gt;ent&amp;shy;wickeln: Jeder Schritt bestimmt&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;em&gt;die folgenden Ausf&amp;uuml;hrungen mit.&amp;ldquo; &amp;nbsp;&lt;/em&gt; &amp;nbsp; &amp;nbsp; &amp;nbsp; &amp;nbsp; &amp;nbsp;&lt;br&gt;(Peter Sloterdijk, &lt;em&gt;Scheintod im Denken,&lt;/em&gt; 2007)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Sinne Sloterdijks &amp;uuml;ben wir bei allem, was wir tun. Selbst das einge&amp;uuml;bte Ritual oder die schon unendliche Male vollzogene Handlung bleiben stetes &amp;Uuml;ben. Dabei geht es keinesfalls um die allf&amp;auml;llig propagierten Dogmen der Selbstoptimierung, die im &amp;bdquo;Idealfall&amp;ldquo; zu ewig sportivem Dasein oder zumindest der ersten Milliarde f&amp;uuml;hren (die sagenhafte &amp;bdquo;erste Million&amp;ldquo; ist heutzutage etwas f&amp;uuml;r arme Schlucker). Auch die perfekte Beherrschung bestimmter F&amp;auml;higkeiten, die &amp;ouml;konomisch oder sozial (aus-)genutzt werden k&amp;ouml;nnen, steht nicht im Vordergrund. Dies w&amp;auml;re deutlich zu funktional gedacht. Der Fokus liegt auf einem &amp;Uuml;ben, das als Prozess stetiger Selbstvergewisserung auf allen Daseinsebenen verstanden werden kann. Im Mittelpunkt steht nicht ein dienendes, st&amp;auml;ndig optimal funktionierendes Wesen, sondern ein Individuum, das &amp;uuml;bend zu sich selbst und zum sozialen Umfeld (zur Gruppe) findet. Der reflektierte, offene und intentionslose Ausgleich zwischen der/dem Einzelnen und der Gruppe (Wir) geh&amp;ouml;rt zu den wesentlichen Zielsetzungen der Arbeit des Kunstraums Goethestra&amp;szlig;e xtd.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;img src="../../../../media/_versions/grosses_bild_weitergehen_fotojohannatatzgern-gigapixel_big.jpg" alt="Gehen und Weitergehen" width="522" height="900"&gt;&lt;br&gt;&lt;span style="font-size: 10pt;"&gt;&lt;em&gt;Gehen und Weitergehen&lt;/em&gt; im KunstRaum Goethestrasse xtd. &amp;copy; &lt;strong&gt;Johanna Tatzgern&lt;/strong&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Kunst&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Kunst und k&amp;uuml;nstlerische Positionen, wie sie der KunstRaum Goethestrasse xtd mehrmals im Jahr pr&amp;auml;sentiert, nehmen dabei eine Ankerfunktion ein. Kunst (durchaus im Sinne von Schillers &amp;bdquo;&amp;auml;sthetischer Erziehung des Menschen&amp;ldquo;) ist per se offen, intentionslos und kreativ. Sie dient in der Goethestra&amp;szlig;e als Hintergrundfolie aus der nicht nur Kreativit&amp;auml;t und Assoziationen generiert werden k&amp;ouml;nnen. Aus k&amp;uuml;nstlerischen Prozessen gewinnen die Verantwortlichen des Kunstraums f&amp;uuml;r ihre Arbeit n&amp;uuml;tzliche Methoden, sei es der Wahrnehmung, der Abstraktion oder der Transformation von Wirklichkeit(en). Dabei l&amp;auml;sst sich der Begriff des &amp;Uuml;bens problemlos mit der k&amp;uuml;nstlerischen Arbeit und dem Einsatz k&amp;uuml;nstlerischer Methoden und Strategien verbinden. F&amp;uuml;r Beate Rathmayr schlie&amp;szlig;en sich k&amp;uuml;nstlerische Kreativit&amp;auml;t und die permanente Notwendigkeit, im t&amp;auml;glichen Tun zu &amp;uuml;ben, keinesfalls aus. Kunst f&amp;auml;llt nicht als &amp;auml;sthetisch perfektes Produkt vom (Genie-)Himmel &amp;ndash; und f&amp;uuml;r unsere Alltagsbew&amp;auml;ltigung gilt das Gleiche. Alleine diese einfach klingende Erkenntnis bef&amp;ouml;rdert den oft angemahnten L&amp;uuml;ckenschluss zwischen Kunst und Lebens&amp;shy;praxis. In der Goethestra&amp;szlig;e geht es nicht unbedingt um die Forderung Sloterdijks, sich &amp;bdquo;h&amp;ouml;her zu entwickeln&amp;ldquo;, sondern darum, auf uns selbst positiv einzuwirken. Im Kontext grassierender Selbstoptimierungsfantasien klingt &amp;bdquo;&amp;uuml;ben&amp;ldquo; sehr bescheiden und schlie&amp;szlig;t die bescheidene Allt&amp;auml;glichkeit unseres Tuns mit ein. F&amp;uuml;r diesen Zugang bilden Raum und Angebot in der Goethestra&amp;szlig;e einen soliden Rahmen.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;R&amp;auml;ume&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Raum in seinen vielf&amp;auml;ltigen Formen, Bez&amp;uuml;gen und Verflechtungen spielt f&amp;uuml;r die Arbeit des Kunstraums eine zentrale Rolle. Der konkrete Kunstraum in der Goethestra&amp;szlig;e ist zun&amp;auml;chst unabdingbare Grundlage und H&amp;uuml;lle f&amp;uuml;r die verschiedenen Angebote und Aktivit&amp;auml;ten. Damit wird er zum sozialen, kulturellen und &amp;auml;sthetischen Container, der allerdings &amp;uuml;ber seine Grenzen in die Stadt und dar&amp;uuml;ber hinaus ausstrahlen m&amp;ouml;chte. Susanne Blaimschein und Beate Rath&amp;shy;mayr achten sensibel auf die Raumbez&amp;uuml;ge und -wirkungen, die mit ihrer Institution verbunden sind. Dies ist wesentlich f&amp;uuml;r eine erfolgreiche, nachhaltige Verortung in&amp;shy;nerhalb der sozialen und kulturellen Gef&amp;uuml;ge der Stadt. Man ist sich der besonderen Stellung des Kunstraums nicht nur bezogen auf den Stadtplan (weit und breit existiert in der Linzer Neustadt kein vergleichbares An&amp;shy;gebot), sondern auch innerhalb der Linzer Kulturszene durchaus bewusst. Es bleibt allerdings nicht bei abstrakten Bez&amp;uuml;gen. K&amp;uuml;nst&amp;shy;lerische Raumgestaltungen und Kunst-am-Bau Projekte, die vor allem in Zusam&amp;shy;men&amp;shy;hang mit H&amp;auml;usern von pro mente O&amp;Ouml;1 entstehen, weisen eine hohe k&amp;uuml;nstlerische und &amp;auml;sthetische Qualit&amp;auml;t auf. Sie demonstrieren dauerhaft die dynamische Verbindung von Kunst und Leben, wie sie idealerweise im Kunstraum Goethestra&amp;szlig;e verfolgt wird.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Gehen&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&amp;bdquo;Im Asphalt, &amp;uuml;ber den der&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;em&gt;Flaneur hingeht, wecken seine Schritte eine erstaunliche Resonanz.&amp;ldquo;&lt;/em&gt;&lt;br&gt;(Walter Benjamin, &lt;em&gt;Passagen-Werk,&lt;/em&gt; 1927&amp;ndash;40)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu den k&amp;uuml;nstlerischen Methoden und Tools, die der Kunstraum Goethestra&amp;szlig;e 2025/26 ausgiebig praktiziert, geh&amp;ouml;rt das Gehen. Wie kaum ein anderes Mittel er&amp;ouml;ffnet das Gehen im Wortsinn neue Wahrnehmungsr&amp;auml;ume und sinnliche Erfahrungen. Bezogen auf das Jahresthema &amp;bdquo;&amp;Uuml;ben&amp;ldquo; stellt das Gehen somit die optimale Erg&amp;auml;nzung dar. Gleiches gilt f&amp;uuml;r das bereits erw&amp;auml;hnte Raum&amp;shy;bewusstsein, das im Kunstraum prak&amp;shy;tiziert wird.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;War das Gehen (archetypisch vertreten durch den ikonisch gewordenen Flaneur bei Walter Benjamin) neben der sinnlichen Vergewisserung der Umwelt ein sanfter Protest gegen die Geschwindigkeiten, Dichten und Dynamiken der Moderne, so kann man es heute durchaus als sinnlich intensiven Gegenpol zur Weltwahrnehmung &amp;uuml;ber digitale Tools interpretieren. Soweit m&amp;ouml;chten Su&amp;shy;sanne Blaimschein und Beate Rathmayr im Gespr&amp;auml;ch den Bogen gar nicht spannen. Das bewusste Gehen ist f&amp;uuml;r sie vor allem sinnliche Erfahrung, &amp;Uuml;berraschung, Neuland im Gro&amp;szlig;en wie im Detail. Gegangen wird in der Stadt, auf dem Land und in den vielen Zwischenzonen, die unerwartete R&amp;auml;u&amp;shy;me &amp;ouml;ffnen. Dies v&amp;ouml;llig undogmatisch, offen und f&amp;uuml;r jede und jeden.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;bdquo;&lt;em&gt;Stra&amp;szlig;en sind die Wohnung des Kollektivs. Das Kollektiv ist ein ewig unruhiges, ewig bewegtes Wesen, das zwischen H&amp;auml;userw&amp;auml;nden soviel erlebt, erf&amp;auml;hrt, erkennt und ersinnt wie Individuen im Schutze ihrer vier W&amp;auml;nde.&amp;ldquo;&lt;/em&gt;&lt;br&gt;(Walter Benjamin, &lt;em&gt;Passagen-Werk, &lt;/em&gt;1927&amp;ndash;40)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;1 &amp;nbsp; &amp;nbsp;Der Kunstraum Goethestra&amp;szlig;e ist Teil von pro mente O&amp;Ouml;, woraus bestimmte Aufgaben und Methoden resultieren. Seine Arbeit hat keinen therapeutischen Hintergrund, sondern versteht sich als offener Raum f&amp;uuml;r Begegnung und Dialog.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;em&gt;Jahresthema &amp;Uuml;BEN, Projekt WEITERGEHEN und mehr&lt;/em&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;WEITERGEHEN &lt;em&gt;lautet der Titel eines Projekts zum aktuellen Jahresthema &lt;/em&gt;&amp;Uuml;BEN: &lt;em&gt;Weitergehen, um dem Gehen als k&amp;uuml;nstlerische Praxis und Ausdrucksm&amp;ouml;glichkeit zu folgen und individuelle Wege und Geschichte(n) zu finden.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;WEITERGEHEN &lt;em&gt;am Freitag,&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;em&gt;26. Juni 2026, 14:00&amp;ndash;19:00 h mit der K&amp;uuml;nstlerin und Performerin Claudia Heu: Wie ver&amp;auml;ndert sich unsere Wahrnehmung, wenn wir&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;em&gt;die Stadt wie eine Art lebendige Choreografie betrachten? Wenn wir davon ausgehen, dass jeder Moment genau so ist, wie er sein soll &amp;ndash; Augenblick f&amp;uuml;r Augenblick. In diesem Workshop erkunden wir den Stadtraum als etwas Lebendiges: Wir&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;em&gt;bewegen uns durch die Stadt, beobachten, halten inne und werden selbst Teil des Geschehens, entweder als BeobachterIn oder als PerformerIn.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Weitere Veranstaltung: Die Katzen des KunstRaum Goethestrasse xtd sind zu Gast in der Galerie im&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;em&gt;Glashaus Ottensheim.&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;Er&amp;ouml;ffnung: Do., 30. Juli 2026, 19:00 h&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Der KunstRaum Goethestrasse xtd&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;em&gt;ist ein Angebot der pro mente O&amp;Ouml;.&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;a href="https://kunstraum.at" target="_blank" rel="noopener"&gt;&lt;em&gt;kunstraum.at&lt;/em&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;</summary></entry><entry><title>Verzweigte  Assistenzen</title><link href="http://diereferentin.servus.backface.net/verzweigte-assistenzen/" rel="alternate"/><author><name>Gudrun Rath</name></author><id>http://diereferentin.servus.backface.net/verzweigte-assistenzen/</id><summary type="html">Zimmerpflanzen als Lebewesen mit kolonialer Geschichte und globalem Zuhause: In Verzweigte
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Zimmerpflanzen als Lebewesen mit kolonialer Geschichte und globalem Zuhause: In &lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;Verzweigte Assistenzen&lt;/strong&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt; thematisiert Moritz Matschke Wachstumsprozesse, Z&amp;uuml;chtungen, globale Warenketten, h&amp;auml;usliche&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Pflegeroutinen und kulturell &amp;uuml;berformte Bilder von domestizierten Pflanzen. Gudrun Rath hat die Ausstellung, die bis Mai im KunstRaum Goethestrasse xtd gelaufen ist, er&amp;ouml;ffnet &amp;ndash; und hat uns ihren Text zur&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Verf&amp;uuml;gung gestellt.&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;&lt;img src="../../../../media/_versions/gesamtansichtfotoottosaxinger_big.jpg" alt="Pflanzen vom Mistplatz Ottakring" width="1284" height="751"&gt;&lt;br&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;span style="font-size: 10pt;"&gt;Pflanzen vom Mistplatz Ottakring, Pflanzenbilder auf &lt;em&gt;willhaben.&lt;/em&gt; &amp;copy; &lt;strong&gt;Otto Saxinger&lt;/strong&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Beginnen wir mit der Monstera: Diese Pflanze wird im tropischen S&amp;uuml;damerika, in Zentralamerika und Mexiko bis zu 20 Meter hoch. Der Gum&amp;shy;mibaum, &lt;em&gt;Ficus elastica,&lt;/em&gt; erreicht in Indonesien eine Wuchsh&amp;ouml;he von bis zu 60 m. Hierzulande tummeln sich die Massen seiner kleinen Br&amp;uuml;der und Schwestern im Innenraum: Als Miniaturen des Au&amp;szlig;en holen sie dieses nach Innen.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wo ist die Grenze zwischen Innen- und Au&amp;szlig;enraum? An welchen Orten ist innen au&amp;szlig;en?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&amp;auml;hrend die Bergpalme, &lt;em&gt;Chamadorea elegans, &lt;/em&gt;als Zimmerpflanze kaum mehr wahrgenommener Teil europ&amp;auml;ischer Interieurs ge&amp;shy;worden ist, werden die Bl&amp;auml;tter ihrer Schwester, &lt;em&gt;Chamadorea tepejilote,&lt;/em&gt; in Mexiko und Zentralamerika in alten Maya-Techniken zum Dachdecken verwendet.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Viele der Pflanzen, die uns heute als allt&amp;auml;gliche Begleiter*innen in Innenr&amp;auml;umen zur Seite stehen, kamen im Zuge kolonialer Expeditionen nach Europa. Die Dimensionen des weltweiten Pflanzentransfers &amp;auml;nderten sich mit Kolumbus ab 1492. &amp;bdquo;Mit der Ausdehnung der [&amp;hellip;] Kolonialreiche mehrten sich die Expeditionen, st&amp;auml;ndig kamen neue Pflanzen hinzu.&amp;ldquo;&lt;sup&gt;1 &lt;/sup&gt;Pflanzenbesessene Forscher (kaum Forscherinnen) nahmen an die&amp;shy;sen Expeditionen teil und die Suche nach im&amp;shy;mer neuen, ihnen nicht bekannten Pflanzen hinterlie&amp;szlig; Spuren auf ihren K&amp;ouml;rpern: das Waten durch S&amp;uuml;mpfe markierte die Beine.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie bei den in der Ausstellung zu sehenden H&amp;auml;nden waren auch damals die H&amp;auml;nde dieser Menschen vom Interagieren mit den Pflanzen gezeichnet, die Haut gegerbt, zuweilen fanden sich auch auf anderen K&amp;ouml;rperteilen Spuren tropischer Krankheiten. Zur&amp;uuml;ck in Europa machten die Forscher die Pflanzen zum Bestandteil von Herbarien und legten biologische G&amp;auml;rten an, in denen Pflanzen aus unterschiedlichen Himmelsrichtungen zusammengef&amp;uuml;hrt wurden.&lt;sup&gt;2&lt;/sup&gt; Sie ersannen neue wissenschaftliche Klassifikationssysteme und gaben den Pflanzen neue Namen.&lt;sup&gt;3&lt;/sup&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Besitz und die Kultivierung dieser weit gereisten Pflanzen wurde ein Distinktionsmerkmal des Adels und zu einem Herrschaftszeichen; die Pflanzen als &amp;bdquo;gr&amp;uuml;nes Gold&amp;ldquo; gehandelt, zuweilen auch von anderen Imperien geklaut. Erst sp&amp;auml;ter traten diese Pflanzen in die privaten R&amp;auml;ume des B&amp;uuml;rgertums. Durchwegs wurden tropische Pflan&amp;shy;zen kommodifiziert, sie waren zu Fetisch und Ware geworden. Nicht nur medizinische Verwendung war von Interesse, son&amp;shy;dern auch &amp;ouml;konomischer Profit. So wurde 1888 etwa mit dem Gummibaum im deutschen kolonialen Forschungs- und Akklimationsgarten in Kamerun als Kautschukersatzpflanze experimentiert, da um Kautschuk, das urspr&amp;uuml;nglich im brasilianischen Amazonas gewonnen und dessen Hauptproduktionsort sp&amp;auml;ter vom britischen Imperium in einem Akt der Biopiraterie nach Asien verlegt wurde, ein globaler Wettstreit begonnen hatte.&lt;sup&gt;4&lt;/sup&gt; Auch mit der Yuccapalme wurde in deutschen Kolonien experimentiert, um sie als Ersatzpflanze f&amp;uuml;r Sisalfasern in Betracht zu ziehen.&lt;sup&gt;5&amp;nbsp;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;Uuml;ber diese konkreten Verwendungen hinaus dienten die zum Verreisen gebrachten Pflanzen zum Dekor: &amp;bdquo;Nach Europa gelangten die Zierpflanzen in Wellen, von den t&amp;uuml;rkischen Tulpen im 16. Jahrhundert bis zu den nordamerikanischen Mammutb&amp;auml;umen im 19. Jahrhundert. Heute sind die Pflanzen so verbreitet, dass sich keiner mehr fragt, was sie hier verloren haben; sie geh&amp;ouml;ren zu einer Kulisse, &amp;uuml;ber die sich niemand mehr wundert.&amp;ldquo;&lt;sup&gt;6&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;img src="../../../../media/_versions/verzweigteassistenzenmatschkefotonachweisottosaxinger_big.jpg" alt="&amp;copy; Otto Saxinger" width="685" height="851"&gt;&lt;br&gt;&lt;span style="font-size: 10pt;"&gt;&amp;copy; &lt;strong&gt;Otto Saxinger&lt;/strong&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vor dieser Kulisse stehen die Betrachter*innen: Die Verbreitung von Bildern tropischer Landschaften trug dazu bei, dass diese als typisch und &amp;bdquo;nat&amp;uuml;rlich&amp;ldquo; wahrgenommen wurden und bis heute Vorstellungen ,der Tropen&amp;lsquo; pr&amp;auml;gen. Dass auch diese teils erst durch die Abholzung vorher da gewesener W&amp;auml;lder und Pflanzentransfers entstanden waren, geriet dabei in Vergessenheit. Dabei waren auch diese vermeintlich &amp;bdquo;nat&amp;uuml;rlichen&amp;ldquo; tropischen Landschaften oft menschengemacht.&lt;sup&gt;7&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Durchwegs zeigt sich, dass Pflanzen, auch wenn sie an einem Ort Wurzeln schlagen, doch immer sehr beweglich waren, vor allem, wenn ihnen Menschen bei ihren Reisen assistierten.&lt;sup&gt;8&lt;/sup&gt; Sie waren und sind &amp;auml;u&amp;szlig;ert mobile Akteur*innen. Pflanzen bewegten sich und wurden sp&amp;auml;testens seit der Antike entlang von Handelsrouten bewegt. In den pr&amp;auml;kolumbianischen Amerikas sind Reisen von Pflanzen entlang der K&amp;uuml;sten nachgewiesen, die diese per Schiff oder auf dem Landweg mit Hilfe von Menschen zur&amp;uuml;cklegten. So wurden etwa Maniok-, Kakao- oder Tabakpflanzen entlang verschiedener Stationen in den Amerikas nachgewiesen.&lt;sup&gt;9&lt;/sup&gt;&amp;nbsp;&lt;br&gt;Bis heute reisen Pflanzen mit oder ohne Unterst&amp;uuml;tzung von Menschen. Pflanzliche Neuank&amp;ouml;mmlinge finden sich bevorzugt an Infrastrukturen wie Eisenbahnlinien. Manche Pflanzen sind besonders mobil. In Florida etwa scheiterte der Versuch, Grundst&amp;uuml;cke mit dem Pflanzen von Sanseverie zu begrenzen, da die Pflanzen sich verselbstst&amp;auml;ndigten. Grenzen zwischen Innen und Au&amp;szlig;en sind zuweilen nicht so leicht zu ziehen.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch im urbanen Raum und an nicht f&amp;uuml;r sie vorgesehenen Orten sind Pflanzen unterwegs. &amp;bdquo;In der Stadt, die man f&amp;uuml;r ihr feindlichstes Milieu halten k&amp;ouml;nnte, sind sie &amp;uuml;berall, erstaunlicher, unternehmungslustiger als irgendwo sonst.&amp;ldquo;&lt;sup&gt;10&lt;/sup&gt; Kleine Palmen dr&amp;auml;ngen sich in New Yorker Gehsteigritzen, das brasilianische kleinbl&amp;auml;ttrige Knopf&amp;shy;kraut in Pariser Metroaufg&amp;auml;ngen. &amp;bdquo;Ganz von selbst mogeln sie sich in den Raum, der ihnen nicht geschenkt wurde, froh wie ein K&amp;ouml;nig, Herrscher in diesem gro&amp;szlig;en Pflanzenreich [&amp;hellip;].&amp;ldquo;&lt;sup&gt;11&lt;/sup&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was passiert inzwischen in den Innenr&amp;auml;umen? W&amp;auml;hrend der Gummibaum hier in einem Wohnzimmer steht und Mozarts kleine Nachtmusik oder Rage against the machine h&amp;ouml;rt, rattern in Indonesien die Bulldozer und walzen die W&amp;auml;lder der Steilh&amp;auml;nge f&amp;uuml;r Palm&amp;ouml;lplantagen platt. Werden wir so&amp;shy;wieso alle Palmen, wie der Anthropologe Michael Taussig in einer provokanten These meint, schon allein dadurch, dass die Unterscheidbarkeit zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Lebewesen verschwimmt, durch das Palm&amp;ouml;l, das wir &amp;uuml;ber Nahrungsmittel t&amp;auml;glich in uns aufnehmen? W&amp;auml;hrend die meisten die Abholzung f&amp;uuml;r Mo&amp;shy;nokulturen seit vielen Jahrhunderten bis heu&amp;shy;te ohne gro&amp;szlig;en Einspruch hinnehmen, k&amp;uuml;m&amp;shy;mern sich manche um die vielen pflanzlichen Akteur*innen aus den Innenr&amp;auml;umen.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit der Ausstellung &amp;bdquo;Verzweigte Assistenzen&amp;ldquo; und den von Mitarbeitern des Mistplatzes Ottakring geretteten Pflanzen lenkt Moritz Matschke die Aufmerksamkeit auf die nicht so klar ziehbaren Grenzen zwischen Natur und Kultur, Innen und Au&amp;szlig;en, die in seinen k&amp;uuml;nstlerischen Arbeiten immer wieder im Zentrum stehen. Die Pflanzen, Leihgaben des Mistplatzes, r&amp;uuml;ckt Moritz Matschke auf mobilen skulpturalen Arrangements in den Farben der Alterspflege ins Licht. Im Fokus stehen besonders Praktiken des Sorge-Tragens: Wer sorgt f&amp;uuml;r wen? Wer assistiert wem und vor allem: wobei? Wer pflegt wen? Was z&amp;auml;hlt in Zeiten von multiplen Krisen an welchem Ort als &amp;bdquo;Mist&amp;ldquo;? Und wer k&amp;uuml;mmert sich?&lt;br&gt;Auf den Teppichen sind die H&amp;auml;nde dieser Sorgetragenden zu sehen. Sie unterwandern die Idee von &amp;bdquo;Dekor&amp;ldquo; und werfen Fragen nach den Spuren auf, die diese Arbeit mit sich bringt, aber auch Fragen nach dem &amp;bdquo;Danach&amp;ldquo;: Wann endet das K&amp;uuml;mmern? Wie pr&amp;auml;gt dieses Interagieren die menschlichen K&amp;ouml;rper? Wann nehmen wir es nicht mehr wahr?&lt;br&gt;Mit einer auf &lt;em&gt;willhaben&lt;/em&gt; gefundenen Serie aus Fotos, in der Verk&amp;auml;ufer*innen pflanzliche Akteur*innen wieder loswerden wollen und dabei menschlichen und pflanzlichen K&amp;ouml;rper immer gleich inszenieren, wirft Moritz Matschke Fragen auf, die in eine &amp;auml;hnliche Richtung gehen: Wo h&amp;ouml;ren pflanzliche Akteur*innen auf, wo fangen sie an? Wer h&amp;auml;lt hier wen? Wie bewegen sich diese Pflanzen heute, Jahrhunderte nach den Expeditionsreisen der Pflanzenj&amp;auml;ger, fort, wie werden sie in &amp;ouml;konomische Zusammenh&amp;auml;nge eingebettet? Wie kann ein gegenseitiges Sorge-Tragen aussehen? Welche Aufmerksamkeit f&amp;uuml;r aus dem Innenraum heraus kaum Wahrnehmbares braucht es? &amp;bdquo;Verzweigte Assistenzen&amp;ldquo; lenkt unseren Blick auf all diese Fragen und l&amp;auml;dt uns dazu ein, uns mit diesen pflanzlichen Akteur*innen durch den Raum zu bewegen.&amp;nbsp; &amp;nbsp; &amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;1 &amp;nbsp; &amp;nbsp;Fauve, Charlotte/Jeanson, Marc (2020): &lt;/em&gt;Das Ged&amp;auml;chtnis der Welt. Vom Finden und Ordnen der Pflanzen, &lt;em&gt;Berlin: Aufbau, S. 97.&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;2 &amp;nbsp; &amp;nbsp;Klemun, Marianne (2000): B&lt;/em&gt;otanische G&amp;auml;rten und Pflanzengeographie als Herrschaftsrepr&amp;auml;sentationen,&lt;em&gt; in: &lt;/em&gt;Berichte zur Wissenschaftsgeschichte 23,&lt;em&gt; S. 330&amp;shy;&amp;ndash;346, hier S. 332.&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;3 &amp;nbsp; &amp;nbsp;Pratt, Mary Louise (1992): &lt;/em&gt;Imperial Eyes. Travel Writing and Transculturation,&lt;em&gt; London: Routledge, S. 15.&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;4 &amp;nbsp; &amp;nbsp;Schneckenburger, Stefan (2010) &lt;/em&gt;Auf der Jagd nach dem &amp;bdquo;Gr&amp;uuml;nen Gold&amp;ldquo;: Botanische G&amp;auml;rten in der Zeit des Kolonialismus,&lt;em&gt; in: &lt;/em&gt;Biologie in unserer Zeit, Vol. 40,&lt;em&gt; Nr. 6, S. 411&amp;ndash;419, S. 417.&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;5 &amp;nbsp; &amp;nbsp;Ebd., S. 418.&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;6 &amp;nbsp; &amp;nbsp;Fauve, Jeanson, &lt;/em&gt;Das Ged&amp;auml;chtnis der Welt,&lt;em&gt; S. 148.&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;7 &amp;nbsp; &amp;nbsp;Sheller, Mimi (2001): &lt;/em&gt;Natural Hedonism. The Invention of Caribbean Islands as Tropical Playgrounds, &lt;em&gt;in: &lt;/em&gt;The Society For Caribbean Studies Annual Conference Papers, Vol. 2,&lt;em&gt; o. S.&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;8 &amp;nbsp; &amp;nbsp;Bucher, Annemarie (2012): &lt;/em&gt;Botanische Migration. Eine Spurensuche in der globalen Landschaft,&lt;em&gt; in: &lt;/em&gt;Topiaria helvetica,&lt;em&gt; S. 59&amp;ndash;71, hier S. 59.&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;9 &amp;nbsp; &amp;nbsp;Ebd., S. 60.&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;10 &amp;nbsp; &amp;nbsp;Fauve, Jeanson, &lt;/em&gt;Das Ged&amp;auml;chtnis der Welt,&lt;em&gt; S. 179 u. S. 8.&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;11 &amp;nbsp; &amp;nbsp;Ebd., S. 10.&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;em&gt;Moritz Matschke, Verzweigte Assistenzen&lt;/em&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;Die Ausstellung ist von 30. April bis 22. Mai 2026 im KunstRaum Goethestrasse xtd gelaufen.&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;a href="https://kunstraum.at/moritz-matschke-verzweigte-assistenzen" target="_blank" rel="noopener"&gt;&lt;em&gt;kunstraum.at/moritz-matschke-verzweigte-assistenzen&lt;/em&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;</summary></entry><entry><title>Die kleine Referentin</title><link href="http://diereferentin.servus.backface.net/die-kleine-referentin-E2OD/" rel="alternate"/><author><name>Terri Frühling</name></author><id>http://diereferentin.servus.backface.net/die-kleine-referentin-E2OD/</id><summary type="html">
&lt;p&gt;&lt;img src="../../../../media/_versions/druck_referentin%2344_big.jpg" alt="Die kleine Referentin" width="1042" height="1339"&gt;&lt;br&gt;&lt;span style="font-size: 10pt;"&gt;&amp;copy; &lt;strong&gt;Monika Migl Fr&amp;uuml;hling, Juri Fr&amp;uuml;hling, Terri Fr&amp;uuml;hling&lt;/strong&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;</summary></entry><entry><title>Die Kakaozeremonie –  Die feine Linie zwischen  kultureller Wertschätzung  und kultureller Aneignung</title><link href="http://diereferentin.servus.backface.net/die-kakaozeremonie-die-feine-linie-zwischen-kultureller-wertschatzung-und-kultureller-aneignung/" rel="alternate"/><author><name>Mar Pilz</name></author><id>http://diereferentin.servus.backface.net/die-kakaozeremonie-die-feine-linie-zwischen-kultureller-wertschatzung-und-kultureller-aneignung/</id><summary type="html">Auf meiner letzten Reise nach Nicaragua führte mich mein Weg nach Ometepe – eine Insel, geformt von zwei
&lt;p&gt;Auf meiner letzten Reise nach Nicaragua f&amp;uuml;hrte mich mein Weg nach Ometepe &amp;ndash; eine Insel, geformt von zwei Vulkanen und einst ein heiliger Ort f&amp;uuml;r die Nahuatl (indigene Gruppe, die fr&amp;uuml;her in Nicaragua gewohnt hat). Unser &amp;bdquo;eco-lodge&amp;ldquo; lag idyllisch inmitten der Natur, doch ein Detail lie&amp;szlig; mich nicht los: Zwischen Yoga- und Meditationsangeboten wurden auch Kakaozeremonien f&amp;uuml;r Tourist:innen angeboten &amp;ndash; geleitet von einer wei&amp;szlig;en Person aus den USA.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mich pers&amp;ouml;nlich hat das sehr gest&amp;ouml;rt. Zeremonien sind keine &amp;auml;sthetischen Aktivit&amp;auml;ten oder touristischen Erlebnisse. Sie haben eine tiefe spirituelle, historische und gemeinschaftliche Bedeutung. Nicht jeder kann &amp;ndash; und sollte &amp;ndash; sie durchf&amp;uuml;hren. Und dennoch gibt es Menschen, die sie nicht nur nachahmen, ohne dieser Tradition anzugeh&amp;ouml;ren, sondern daf&amp;uuml;r auch noch Geld verlangen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In diesem Moment stellte sich mir erneut eine Frage, die mich schon lange begleitet: Wo verl&amp;auml;uft die Grenze zwischen kultureller Wertsch&amp;auml;tzung und kultureller Aneignung? D&amp;uuml;rfen wir alles tragen, praktizieren oder weitergeben, nur weil wir es sch&amp;ouml;n oder inspirierend finden? Ein Huipil aus Guatemala, ein Ta Moko von den Maoris, eine Catrina f&amp;uuml;r D&amp;iacute;a-de-Muertos, traditionelle Kleidung oder spirituelle Rituale &amp;ndash; sind das frei verf&amp;uuml;gbare Ausdrucksformen oder Teil lebendiger Kulturen mit eigenen Regeln und Bedeutungen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&amp;uuml;r mich ist diese Frage pers&amp;ouml;nlich. Ich bin zwischen Kulturen aufgewachsen und habe irgendwann aufgeh&amp;ouml;rt, eindeutig sagen zu k&amp;ouml;nnen, welche &amp;bdquo;meine&amp;ldquo; ist. Ich empfinde gro&amp;szlig;en Respekt gegen&amp;uuml;ber der Maya-Kultur, obwohl ich nicht in ihren Regionen geboren wurde. Gleichzeitig k&amp;ouml;nnten meine indigenen Wurzeln eher mit den Nahuatl-V&amp;ouml;lkern verbunden sein. Dennoch bin ich mit der Maya-Kultur vertrauter &amp;ndash; mit ihrer K&amp;uuml;che, ihren Geschichten, ihren Farben und ihrem Weltbild. Und genau deshalb habe ich mich oft gefragt: Habe ich das Recht, bestimmte Kleidung zu tragen oder dar&amp;uuml;ber zu sprechen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vielleicht liegt die Antwort nicht bei mir, sondern bei den Original-Gemeinschaften selbst. Und wenn selbst Menschen mit einer engen Verbindung zu einer Kultur z&amp;ouml;gern, stellt sich eine umso dr&amp;auml;ngendere Frage: Warum glauben andere &amp;ndash; oft aus dem globalen Norden &amp;ndash;, dass ein kurzer Kontakt mit einer Kultur gen&amp;uuml;gt, um sich ihre Ausdrucksformen anzueignen, sie zu lehren oder sogar zu vermarkten?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es geht nicht nur um Bewunderung, sondern auch um Macht und Zugang. Wer profitiert &amp;ndash; und wer wird verdr&amp;auml;ngt? Problematisch wird es dort, wo Au&amp;szlig;enstehende aus kulturellen Praktiken Kapital schlagen, w&amp;auml;hrend diejenigen, die diese Traditionen tragen, unsichtbar bleiben oder keinen Raum erhalten. Echte Wertsch&amp;auml;tzung w&amp;uuml;rde bedeuten, diesen Raum bewusst zu &amp;ouml;ffnen &amp;ndash; f&amp;uuml;r jene, die das Wissen, die Geschichte und die Verantwortung daf&amp;uuml;r tragen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hinzu kommt eine offensichtliche Doppelmoral: Gesellschaften, die Menschen aus dem globalen S&amp;uuml;den f&amp;uuml;r ihre Br&amp;auml;uche oder Religionen marginalisieren, feiern genau diese Elemente, sobald sie konsumierbar und entkontextualisiert werden. Was zuvor abgelehnt wurde, gilt pl&amp;ouml;tzlich als &amp;bdquo;exotisch&amp;ldquo; oder &amp;bdquo;spirituell&amp;ldquo;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vielleicht sollten wir uns daher eine einfache, aber unbequeme Frage stellen: Wenn wir mit einer Kultur arbeiten oder an ihr verdienen &amp;ndash; schaffen wir Raum f&amp;uuml;r sie oder nehmen wir ihn ein?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir k&amp;ouml;nnen von au&amp;szlig;en wertsch&amp;auml;tzen, wir k&amp;ouml;nnen lernen und teilen. Aber wenn Geld im Spiel ist, wenn diejenigen verdr&amp;auml;ngt werden, die tats&amp;auml;chlich zu dieser Kultur geh&amp;ouml;ren, dann sprechen wir nicht mehr von Wertsch&amp;auml;tzung. Dann sprechen wir von Aneignung.&lt;/p&gt;</summary></entry><entry><title>Arbeiten Sie heute  wieder am Loch?</title><link href="http://diereferentin.servus.backface.net/arbeiten-sie-heute-wieder-am-loch/" rel="alternate"/><author><name>Ralf Petersen</name></author><id>http://diereferentin.servus.backface.net/arbeiten-sie-heute-wieder-am-loch/</id><summary type="html">In seinem aktuellen Roman Jedermanns Dämon begibt sich der Autor und Kognitionswissenschaftler
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;In seinem aktuellen Roman &lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;Jedermanns D&amp;auml;mon&lt;/strong&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt; begibt sich der Autor und Kognitionswissenschaftler Thomas Raab auf die Spuren der Begierde. Ralf Petersen hat versucht, ihm und der Stimme, die allen Menschen&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;innewohnt, nachzufolgen.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;D&amp;auml;mon, Daimon, Daimoni&amp;shy;on: Geistwesen, Schutz&amp;shy;geist, Ausdruck der Pers&amp;ouml;nlichkeit. Und der titelgebende D&amp;auml;mon dieses Romans geh&amp;ouml;rt nicht irgendwem, geh&amp;ouml;rt auch nicht Hoffmannsthals Totent&amp;auml;nzer &lt;em&gt;Jedermann.&lt;/em&gt; Nein, dieser D&amp;auml;mon, er geh&amp;ouml;rt jedermann, geh&amp;ouml;rt allen ohne Unterschied. Dieser D&amp;auml;mon, das ist unser aller innere Stimme, noch keinem Konsens unterworfen. Was diese Stimme wiederum ihm sagen will, das fragt sich der Erz&amp;auml;hler des Romans mehr indirekt, muss er doch vordergr&amp;uuml;ndig seine Flucht vor der Seuche schildern: Irgendeine Krankheit ist im Umlauf, da geht die Reise aus der Gro&amp;szlig;stadt hinaus aufs Land, &amp;uuml;bers Land, an die n&amp;auml;chstgelegene Landesgrenze f&amp;auml;hrt der Erz&amp;auml;hler seinen &amp;Scaron;koda. Ein Erlebnisbericht aus der Pandemiezeit? Oder doch viel eher ein Kriminalroman? Aber: Falls dem so ist, welchen Fall gilts zu l&amp;ouml;sen? Ja: Was ist der Konflikt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Thomas Raab stattet seinen Protagonisten aus mit der Superkraft Wahrnehmung. Statt abgelenkt oder in Gedanken verharrend wie manch anderswo gefundene, durch einen Erz&amp;auml;hltext leitende Stimme, wird in &lt;em&gt;Jedermanns D&amp;auml;mon &lt;/em&gt;&amp;uuml;ber die, wenngleich sp&amp;auml;rliche, Handlung haupts&amp;auml;chlich durch Interaktion mit der Umwelt informiert. F&amp;uuml;r Raab seis beim Schreiben Usus, so der Autor im Gespr&amp;auml;ch, &amp;bdquo;dem Gehirn m&amp;ouml;glichst wenig aufzub&amp;uuml;rden&amp;ldquo;. Die Gedanken des Erz&amp;auml;hlers, &amp;uuml;brigens Werbetexter von Beruf, werden aber selbstredend vom Au&amp;szlig;en wiederholt ins Innere getrieben: &amp;bdquo;Die Mohnblumen&amp;ldquo;, berichtet er exemplarisch, &amp;bdquo;dr&amp;auml;ngten mit ihrem Rot direkt in mein Ged&amp;auml;chtnis.&amp;ldquo;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nun also die Flucht vor der dr&amp;auml;ngenden Welt. Abgestiegen wird in einem Schloss. Obs hier, am R&amp;uuml;ckzugsort, Ruhe gibt? &amp;bdquo;Ich bin schon sehr lang Zen-Buddhist&amp;ldquo;, erz&amp;auml;hlt Raab. Ob er seiner Hauptfigur auch eine Meditation gew&amp;auml;hren wird? Das Spukschloss, verr&amp;auml;t der Autor, sei auch eine Metapher f&amp;uuml;rs Ich, welches wiederum, bei Herrn Professor Freud, kritischen Verstand, Triebverzicht- und aufschub repr&amp;auml;sentiert. Bei Raab symbolisierts auch den altbekannten &amp;bdquo;Ich-Trick&amp;ldquo;: hier sind n&amp;auml;mlich im Text S&amp;auml;tze, Gedanken, au&amp;szlig;erdem &amp;ndash; in anderer Schriftart gesetzte &amp;ndash; vermeintliche Erinnerungen montiert zu einem Gef&amp;uuml;ge, das &amp;bdquo;die Lesenden in ihrer Identifikation verwirren&amp;ldquo; will. Das Einsetzen des Ich-Erz&amp;auml;hlers, so Raab, also die Schilderung aus der ersten Person, bedeutet f&amp;uuml;r ihn ein K&amp;auml;mpfen &amp;bdquo;mit offenem Visier&amp;ldquo;: kein Abstand, kein affektiertes Empathiebezeugen mit einer Figur, deren Irrwege zwar nachvollzogen, aber doch mit subtiler Distanz berichtet werden. Kafkas perfekter Satz, &amp;bdquo;Er steht am Fenster&amp;ldquo;, findet sich in &lt;em&gt;Jedermanns D&amp;auml;mon&lt;/em&gt; als Aussage des Erz&amp;auml;hlers widergespiegelt, denn seine &amp;bdquo;Phantasie [sei] klar und deutlich&amp;ldquo;, doch vor dem Fenster f&amp;auml;nden sich &amp;bdquo;nur Schemen&amp;ldquo;: Silhouetten, Vignetten, doch alles blo&amp;szlig;er Schein. Ob hier der gesuchte Kriminalfall versteckt ist? Ist der Erz&amp;auml;hler T&amp;auml;ter, Schuld an seiner eigenen Unf&amp;auml;higkeit, &amp;bdquo;dem d&amp;auml;monischen politischen Apparat [seine] geringf&amp;uuml;gige Realit&amp;auml;t entgegenzustellen&amp;ldquo;; eine Bringschuld, mit der der deutsche Schriftsteller Peter Weiss im ersten Band der &lt;em&gt;&amp;Auml;sthetik des Widerstands &lt;/em&gt;wiederum seinen Ich-Erz&amp;auml;hler konfrontiert?&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;bdquo;Ich glaube&amp;ldquo;, sagt Thomas Raab, &amp;bdquo;dass K&amp;uuml;nstler zaubern wollen, und dass das auch geht.&amp;ldquo; Ein Suchen nach dem &amp;bdquo;seltsamen Schwebezustand&amp;ldquo;, in dem auch sein Erz&amp;auml;hler sich f&amp;uuml;r einen Moment wohlf&amp;uuml;hlt. Zaubern, damit meint Raab nicht wirklich Hexerei, Magie, sondern ein &amp;Auml;ndern der Welt &amp;ndash; einen Wechsel der Wahrnehmung derselben eigentlich &amp;ndash; durch Handeln, Auftritt, blo&amp;szlig;es Sein. Selbstbeobachtungsexperimente &amp;ndash; &amp;bdquo;Selbstbeobachtung hei&amp;szlig;t, dass du es nicht messen kannst&amp;ldquo;, erkl&amp;auml;rt Raab &amp;ndash; waren in der Psychologie l&amp;auml;ngst ausgemustert, da habe Oswald Wiener, sie &amp;bdquo;wieder ausgegraben&amp;ldquo;, entwickelte Techniken, &amp;bdquo;den Blick ins Innere zu sch&amp;auml;rfen&amp;ldquo;, wie Thomas Raab in der Einleitung des von ihm mitherausgegebenen Bands &amp;bdquo;Selbstbeobachtung. Oswald Wieners Denkpsychologie&amp;ldquo; &amp;uuml;ber den langj&amp;auml;hrigen Kollegen Wiener schreibt. Wiener, ein Zauberer. Raab, vielleicht. Und unsere Romanfigur, unser Werbetexter?&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als der, im Schloss, eines Morgens erwacht, berichtet er freudig, der Tag empfange ihn &amp;bdquo;traumlos und ausgeruht&amp;ldquo;: Ist sie da zu sp&amp;uuml;ren, die Angst vorm Ich? &amp;bdquo;Oder war es die Erwartung&amp;ldquo;, hei&amp;szlig;t es sp&amp;auml;ter, &amp;bdquo;was wir im Loch finden w&amp;uuml;rden?&amp;ldquo;; aufgeschobener Blick in die eigene, sogenannte Seele: Welch Begierde, Lust, Verlangen dort wohl wartet, im imagin&amp;auml;ren Loch? Ganz sch&amp;ouml;n unruhestiftend, allein die Vorstellung! Eine Erwartung, schamhaft belastet, vor dessen Einl&amp;ouml;sung der namenlose Annoncenschreiber in die weniger konfrontative Umwelt flieht? So malt er sich dann, statt innere Karten anzufertigen, lieber die vorliegende Landschaft aus. Wegbeschreibungen und Raumanordnungen begr&amp;uuml;nden die episodisch-fragmentarischen Wanderungen und Ausfl&amp;uuml;ge ins Schlossumland. Dass Raab in Naturbeschreibungen exzelliert, hat seinen Hintergrund, vermutet der Autor selbst, in seinem fr&amp;uuml;heren Studium der Geologie. Gleich zu Beginn galt es damals, ohne viel Fachvokabular, Vorgefundenes in Worte zu fassen. Zum Wanderroman wird &lt;em&gt;Jedermanns D&amp;auml;mon&lt;/em&gt; freilich nie, stets dr&amp;auml;ngt der Text zur&amp;uuml;ck in die Zivilisation, in jener der Werbetexter etwa Verwaltungsmitarbeiterinnen beim Masturbieren erwischt: &amp;bdquo;Was geschieht hier?&amp;ldquo;, fragt er sich, Schwei&amp;szlig; auf dem Gesicht. Die Antwort auf die eigene Frage verbietet sich, &amp;bdquo;Keine Schlussfolgerungen!&amp;ldquo;, fordert er schlie&amp;szlig;lich: &amp;bdquo;Denn jedermann kann konstruieren, jedermann kann sich eine Geschichte &amp;uuml;ber sich und Hausdiener und Verwalterinnen und Ladenbesitzer und Eltern und allwissende, alte Voyeurinnen zurechtlegen. Aber nicht jedermann mag, obwohl es so leicht scheint, das &lt;em&gt;Risiko&lt;/em&gt; auf sich nehmen, seinen D&amp;auml;mon, seine zerst&amp;ouml;rerischen Impulse sprechen zu lassen.&amp;ldquo;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Viele weitere sch&amp;ouml;ne Stellen, h&amp;auml;ufig ein &amp;bdquo;leicht paranoischer Charakter&amp;ldquo;, den Raab dem ganzen Buch attestiert, als rezensiere er ein Fremdwerk, lie&amp;szlig;en sich hier zitieren. Gigantische Anpassungsst&amp;ouml;rungen habe seine Hauptfigur, vielleicht: ein &amp;Uuml;berma&amp;szlig; an Intuition. Intuition, erkl&amp;auml;rt Raab, ist ein &amp;bdquo;pl&amp;ouml;tzlicher Einbruch eines Gedankens&amp;ldquo; &amp;ndash; da macht sich einmal die Sorge breit, wenn er zuviel &amp;uuml;bers eigene Ungl&amp;uuml;ck nachdenke, w&amp;uuml;rde es verschwinden: &amp;bdquo;Ich w&amp;uuml;rde meine Katastrophe verstehen und dadurch vergessen&amp;ldquo;: Ein anderes Mal wird eine Richtungs&amp;auml;nderung beschlossen: &amp;bdquo;Ja, nach Osten &amp;ndash; denn im Westen war ich schon&amp;ldquo;. Und schlie&amp;szlig;lich wird den anderen auftretenden Personen eine Kompliz*innenschaft und die Darbietung eines Wahrheitszirkusses unterstellt: &amp;bdquo;Da musste eine Falle sein: Alles Show!&amp;ldquo;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Konflikt ist in &lt;em&gt;Jedermanns D&amp;auml;mon&lt;/em&gt; nicht offen dargelegt, er versteckt sich zwischen den Gesteins- oder den Bewusstseinsschichten. Dieser D&amp;auml;mon, unser aller innere Stimme, noch keinem Konsens unterworfen, die Angst vorm Ich: Raab und sein Erz&amp;auml;hler, beide betrachten die Gegebenheiten keineswegs &amp;bdquo;gemachten Kopfes&amp;ldquo; &amp;ndash; und beide halten von Verteidigung &amp;bdquo;im Allgemeinen sehr wenig&amp;ldquo;: Angriff! Oder wie Eingangs: Kampf mit offenem Visier.&amp;nbsp; &amp;nbsp; &amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Thomas Raab lebt als Kognitionswissenschaftler und Autor in Wien.&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;a href="https://nachbrenner.at" target="_blank" rel="noopener"&gt;&lt;em&gt;nachbrenner.at&lt;/em&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;img src="../../../../../media/_versions/raab_jedermanns_daemon_cover_small.jpg" alt="Jedermanns D&amp;auml;mon" width="176" height="230"&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Raab, Thomas: &lt;/strong&gt;Jedermanns D&amp;auml;mon.&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;Wien: Czernin Verlag, 2026.&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;ISBN 978-3-7076-0891-5, 25,&amp;ndash; &amp;euro;, 324 Seiten.&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;a href="https://www.czernin-verlag.com/buch/jedermanns-damon" target="_blank" rel="noopener"&gt;&lt;em&gt;www.czernin-verlag.com/buch/jedermanns-damon&lt;/em&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;</summary></entry><entry><title>Brahms brennt das Fell</title><link href="http://diereferentin.servus.backface.net/brahms-brennt-das-fell/" rel="alternate"/><author><name>Ralf Petersen</name></author><id>http://diereferentin.servus.backface.net/brahms-brennt-das-fell/</id><summary type="html">Im Rahmen eines höchstbesonderen Konzertabends Ende Mai trafen im Linzer Brucknerhaus
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Im Rahmen eines h&amp;ouml;chstbesonderen Konzertabends Ende Mai trafen im Linzer Brucknerhaus die Streicher*innen des renommierten &lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;Minetti Quartetts&lt;/strong&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt; auf das Gitarren &amp;amp; Gesang-Duo &lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;The D&amp;uuml;sseldorf D&amp;uuml;sterboys.&lt;/strong&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Ralf Petersen berichtet von einem ungew&amp;ouml;hnlichen Klangerlebnis.&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;&lt;img src="../../../../media/_versions/photo_credit-_oliver_erenyi-742815_big.jpg" alt="Das Minetti-Quartett (li.) applaudiert den D&amp;uuml;sseldorf D&amp;uuml;sterboys (re.)." width="975" height="292"&gt;&lt;br&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;span style="font-size: 10pt;"&gt;Das &lt;em&gt;Minetti-Quartett &lt;/em&gt;(li.) applaudiert den &lt;em&gt;D&amp;uuml;sseldorf D&amp;uuml;sterboys&lt;/em&gt; (re.). &amp;copy;&lt;strong&gt; Oliver Erenyi&lt;/strong&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;bdquo;Es sind eigentlich zwei Konzerte&amp;ldquo;, schickt Brucknerhaus-Programmplanungsleiter Andreas Meier dem Abend gleich voraus, ehe die Musiker*innen die B&amp;uuml;hne des Konzertsaals betreten. Diese beiden Konzerte &amp;ndash; die abwechselnd stattfinden, um sich sp&amp;auml;ter zu verschneiden &amp;ndash; sind ein vom Brucknerhaus geplantes Treffen und &amp;bdquo;Treffen ist buchst&amp;auml;blich gemeint&amp;ldquo;, so Meier, denn: Im Dialog begegnen sich Songs der D&amp;uuml;sseldorf D&amp;uuml;sterboys und jeweils &amp;bdquo;ein Satz Brahms&amp;ldquo;, dann: wieder Lieder, wieder ein Satz Johannes Brahms, vom Minetti Quartett dargeboten. Ich h&amp;ouml;re in der Reihe hinter mir ungeduldig eine Armbanduhr ticken, da treten die sechs Musiker*innen auf. Eine Angelegenheit mit sofort sichtbarem Kontrast: Das Streichquartett in schwarzer Kleidung &amp;ndash; hier sticht lediglich das Oberteil der Violinistin heraus, auf welchem Glitzersteine funkeln &amp;ndash; und das &amp;bdquo;Folk-Pop&amp;ldquo;-Duo im Norm&amp;shy;core-Schluderlook, Pedro Gon&amp;shy;calves Crescenti gar in Jogginghose. Und mit Bieren in der Hand dazu, die beiden! Das ist im klassischen Kontext nat&amp;uuml;rlich ungew&amp;ouml;hnlich.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und ungew&amp;ouml;hnlich solls werden, ists auch im Publikum: statt stillsitzen und Schnauze halten wird gleich beim ersten musikalischen Beitrag sitzgetanzt. Der Brucknerhaus-Plan, mit der experimentellen Programmierung ein j&amp;uuml;ngeres Publikum in den Saal zu locken, geht voll auf. Nachdem das musikalische Aufeinandertreffen mit dem angek&amp;uuml;ndigtem ersten Satz Brahms begonnen hat, damit die G&amp;auml;ste aus Deutschland an der Reihe sind, fassen diese noch mal das eingangs von der Programmplanung erl&amp;auml;uterte Prozedere zusammen: &amp;bdquo;Das Konzept des Abends ist&amp;ldquo;, sagt Peter Rubel, &amp;bdquo;dass ihr spielt, wir spielen, und am Ende spielen wir noch was zusammen. Und: Es gibt ne Pause.&amp;ldquo; So sind sie, die Popmusiker: Ansagen, Humor, und Platz f&amp;uuml;r Reaktionen: nach einem schrillen Klang schaut Pedor auf ins Allgemeine: &amp;bdquo;Ihr h&amp;ouml;rt nicht absolut, oder?&amp;ldquo;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Minetti Quartett, das sind Maria Ehmer und Anna Knopp, Violine, Milan Milojicic, Viola und Leonhard Roczek, Violoncello, spricht nicht mit dem Mund, sondern mit den Instrumenten. W&amp;auml;hrend die D&amp;uuml;sterboys mit ihren Titeln neblige Geb&amp;auml;ude basteln, aus denen gespenstische Musik echot, w&amp;auml;hrend die Musik der zwei Jungs, die gleichzeitig singen und Gitarre spielen, sich auch mal verspielen, errichtet das Minetti-Quartett stabile Architekturen aus geraden Kl&amp;auml;ngen. Dass vor den St&amp;uuml;cken nochmal grob nachgestimmt wird, ist jedoch beiden Gruppen gleich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach dem letzten Brahmssatz des Abends sagt D&amp;uuml;sterboy Peter, im mutigen Versuch, die Publikumserfahrung zu erahnen &amp;ndash; oder die eigene Wahrnehmung beschreibend: die Bands sind ja auch das Publikum voneinander: &amp;bdquo;Ich denk mir, dass diese Wechsel passieren, und man merkt die Kontraste ja schon, und es wird dadurch irgendwie st&amp;auml;rker. Man hat immer einen neuen Blick.&amp;ldquo; Oder vielleicht, wie es im letzten regul&amp;auml;ren Lied des Abends, &amp;bdquo;Lavendeltreppen&amp;ldquo;, hei&amp;szlig;t: &amp;bdquo;Das eine gibt dem anderen Sinn.&amp;ldquo;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zun&amp;auml;chst Standing Ovations, dann geben die sechs noch eine improvisierte Zugabe: F&amp;uuml;r den gemeinsamen Vortrag von &amp;bdquo;Oh, Mama&amp;ldquo; erkl&amp;auml;rt Peter noch schnell die Chord-Abfolge: F und C f&amp;uuml;r die Strophe, D und E-Moll f&amp;uuml;r den Chorus. Ein Kinderspiel f&amp;uuml;rs Minetti Quartett, ein Vergn&amp;uuml;gen f&amp;uuml;rs Publikum, das sich auf weitere solcher Abende freuen darf: &amp;bdquo;Wir m&amp;ouml;chten&amp;ldquo;, erz&amp;auml;hlt mir Paula Schl&amp;uuml;ter von der Brucknerhaus-Programmplanung, &amp;bdquo;das Format in Zu&amp;shy;kunft kontinuierlich fortf&amp;uuml;hren.&amp;ldquo;&amp;nbsp; &amp;nbsp; &amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Das Minetti-Quartett ist ein in Wien beheimatetes &amp;ouml;sterreichisches Streichquartett. &lt;a href="https://minettiquartett.at" target="_blank" rel="noopener"&gt;minettiquartett.at&lt;/a&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;The D&amp;uuml;sseldorf D&amp;uuml;sterboys sind eine deutsche Folk-Band. &lt;a href="https://duesseldorfduesterboys.de" target="_blank" rel="noopener"&gt;duesseldorfduesterboys.de&lt;/a&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href="https://www.brucknerhaus.at" target="_blank" rel="noopener"&gt;&lt;em&gt;www.brucknerhaus.at&lt;/em&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;</summary></entry></feed>